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Mein Vater, der stottert
Oder Von der Schwerkraft der Wörter
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[04] |
Eine Geschichte;
Veröffentlicht in div. Literaturzeitschriften. |
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Warum mein Vater stottert, erklärte mir meine Großmutter.
Als sie mit ihm schwanger war, fiel von einem hohen
Kastanienbaum eine große schwarze Schlange direkt vor
ihren Füßen auf die Erde. Seither stottert mein Vater,
der
eigentlich nur stottert, wenn andere ihn nervös machen, so
wie es der Onkel tat, als mein Vater auf dem Baum ge-
sessen hatte. Dann beißen sich die Wörter in seiner Kehle
fest und verstopfen seine Adern, weil sie sich von ihm nicht
trennen wollen. Er behält sie deshalb meistens für sich,
aus
Sorge, dass sie auf den Boden fallen und dort zertreten
werden könnten.
Immer wenn er stotterte wusste ich, dass er jetzt lieber
woanders wäre, weder auf einem Baum noch in einem
Meldeamt. Ich wollte dann immer gehen, denn wenn er
stotterte, bekam ich einen Fußkrampf.
Es kann zu jeder Zeit und überall passieren, dass sich die
Wörter bei ihm wohler fühlen, als bei denen, die ihm
gegenüberstehen. Immer spielen aber Personen eine Rolle,
die ihn nervös machen. Der Postbote, der Polizist, der
Verkäufer oder ein Beamter, der ihn fragt, ob er deutsch
spricht. |
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