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Schwester Michaela
[06] Veröffentlicht im "Freitag" und in
"Aus der neuen Welt",
Skarabäus Verlag 2004.

Schwester Michaela war achtzehn, als sie mitten in der
Heuernte beschloss, ins Kloster zu gehen. Sie lief quer über
das sonnenverbrannte Feld, drückte der Mutter die Heugabel
in die Hand und erklärte ihr, sie sei berufen, die Braut Christi
zu werden. Im Prinzip hatte die Mutter nichts gegen die
Berufung, doch dass es während der Heuernte passierte, soll
sie geärgert haben.

Als sie eingekleidet wurde, musste Schwester Michaela ihre
Haare lassen, die ihr mit einer großen Schere einmal quer
durchgeschnitten wurden. Und sie musste, weil das damals
so üblich war, mitten in der Nacht in die kalte Kirche zum
Beten. Besonders in der Faschingszeit fanden die Nonnen
aus der eiskalten Kirche kaum mehr heraus: in dieser Zeit
werden mehr Sünden als sonst begangen, also musste mehr
gebetet werden als sonst. Sie beteten für die Vergebung der
Sünden jener, die zur gleichen Zeit dabei waren, sie zu
begehen.

Davon bekam Schwester Michaela eine schwere Arthritis,
die ihr in die Knochen und Gelenke und überallhin fuhr.
Alles an ihr war immer dabei, mehr und mehr zu verkrüppeln.

(...)


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Das Herz eines Bastards
Falsche Helden und Der falsche Mann
Die Wortlose
Mein Vater der stottert oder
Von der Schwerkraft der Wörter
Der Krampf
Schwester Michaela
Wie ein Tag
In der Natur
Im Film
Hitler, geköpft

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften,
Anthologien, u.a.