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Wie Europa uns einmal gerettet hat |
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[06] |
Journal Februar 2008 |
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(...) Es behagte uns nicht, das Feindbild eines früheren oder weiterhin potenziellen Aggressors vor uns herzutragen; es behagte uns auch nicht, aufgehetzten Diskussionen geifernder alter Männer beizuwohnen, die allen die Laune an den Herz-Jesu-Feuern verdarben; möglicherweise waren wir uns auch nicht sicher, ob wir das wollten, unter Schutz zu stehen, vielleicht wollten wir überhaupt keine Minderheit sein, die man schützen musste.
Also kümmerten uns nicht besonders darum und lernten es auszuhalten, auf eine Frage, auf die die meisten klar antworten können, nichts Richtiges sagen zu können. Die Frage: „wie fühlst du dich eigentlich“ – Fühlen im Sinne von nationaler Zugehörigkeit. Fühlst du italienisch, oder österreichisch, oder gar deutsch? Die Frage mag dumm sein, doch fällt ihre Dummheit wohl nur jenen auf, die sie nicht beantworten können, die anderen stellen sie weiter, dummerweise ganz besonders gerne jenen, die sie nicht beantworten können.
Kaum einer fragt einen Deutschen, oder er sich deutsch fühlt. Auch keinen Italiener. Wir jedenfalls können sie nicht beantworten, jede Antwort ist falsch und richtig zugleich, wir sind nichts davon und etwas von allem. Wir sind, was Kleist eine seiner schönsten Theaterrollen sagen lässt: „Auch, wenn ich nichts bin, etwas muss ich doch sein!“
Vieles zu sein, eine Menge sogar, und alles davon echt, zugleich vermischt, doch dann wieder haarscharf deutlich, und ständig und überall changierend. Wir sind mit jedem Schritt über der Grenze, kennen uns als Ausländer besser, denn als Inländer, und sind zugleich tief verbunden mit einer Gebirgslandschaft. (...)
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