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Die große Hitze vom Sommer 2003
brachte nicht nur guten Wein. Sie ließ auch die Gletscher
schneller schmelzen, und manches Opfer, das sich der Gletscher vor
vielen Jahren geholt hatte, wurde freigegeben. So geschah es, dass
eine Frau nach 54 Jahren ihren jungen Verlobten wiedersehen durfte.
Die Geschichte erinnert an ein romantisches Märchenmotiv, an
"Unverhofftes Wiedersehen" oder an "Bergwerk zu Falun".
Und doch ist sie wahr. In GLETSCHER begegnen wir beidem: der wahren
Geschichte und der Weiterführung und Umformung eines Märchenstoffs
in einem realistischen und surrealen Setting.
Destina:
“Seit Hanno weg ist, habe ich noch keine gültige Anrede
für mich gefunden. Er nannte mich du kleine Zimtschnecke oder
meine Lieblingsbakterie, auch Namen wie zinnoberrotes Flohkuchenbienchen,
Tigerhaifisch oder einfach nur Zwetschke waren darunter.
Seit Hanno weg ist, nenn ich mich „du blöde Sau“.
Zieh dir einen Morgenmantel über, blöde Sau. Gib mir eine
Zigarette, blöde Sau. Der Wein schmeckt wieder abgestanden,
du blöde Sau. Weiß auch nicht. Ich habe mir keine Gedanken
darüber gemacht, wie ich mich nennen soll, wenn es nicht andere
tun. Nicht, dass ich einen besonderen Ärger gegen mich hätte.
Ich könnte mich öfter zum Teufel schicken, das ja. Dann
sag ich: Hau ab! Verzieh dich! Zisch ab!
Mach ne Fliege, blöde Sau.
Aber das geht ja nicht.
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